Archive for the ‘Architektur’ Category

 

In Memory of Günter Behnisch

Juli 18th, 2010Posted by Redakteur

Günter Behnisch ist einer der erfolgreichsten Architekten unserer Zeit gewesen. Am vergangenen Montag allerdings verstarb der 88-Jährige in Stuttgart. Er war nie unbedingt auf Harmonie im Umgang mit anderen Menschen bedacht, doch er baute Gebäude für Menschen. Er setzte stets auf sein Improvisationstalent, ließ Licht und Natur in die moderne Architektur mit einfließen und war strikt gegen alle Normen und Zwänge, gegen das Herrische und das Militär.

1922 wurde Günter Behnisch in Lockwitz bei Dresden geboren. Sein Studium in Architektur absolvierte er an der TH Stuttgart. Im Alter von gerade einmal 30 Jahren gründete er gemeinsam mit Bruno Lambart sein eigenes Büro. Nur vier Jahre später führte er es alleine weiter. 1966 dann wandelte er das bisherige Büro in die Bürogemeinschaft Behnisch & Partner um. Dabei waren auch Größen wie Fritz Auer, Winfried Büxel, Erhard Tränkner, Manfred Sabatke und Carlo Weber mit von der Partie. 1989 dann löste man die Bürogemeinschaft auf, obwohl sie zu einer der gefragtesten in ganz Deutschland zählte. Allerdings währte die Auflösung nicht lange, denn Günter Behnisch gründete mit seinem Sohn Stefan und Günther Schaller erneut ein Architekturbüro unter dem Namen Behnisch, Behnisch und Partner. Mittlerweile firmiert das Architekturbüro unter dem Namen Behnisch Architekten.

Die Schulen von Behnisch

Behnisch baute zunächst Schulen in Baden-Württemberg. Dabei galt er als einer der Pioniere für die vorgefertigten, genormten Teile. Schon 1967 wurde er deshalb an die TH Darmstadt berufen, wo er als Nachfolger des legendären Ernst Neufert anfangen sollte. Neufert schrieb die bis heute bekannte Bauentwurfslehre. Behnischs Aufgabe sollte es künftig werden, den Studenten industrialisiertes Bauen beizubringen. Doch lange fand er keine Freude an den Normen, wie sich auch an seinen Entwürfen immer wieder zeigte. Noch 1969 wurde die Schule Oppelsbohm sehr streng kreiert, schon vier Jahre später entstand die Schule in Lorch, die viel freizügiger und offener gestaltet war. Bei fast allen Schulen brachte Behnisch auch ein tropisches Gewächshaus ein und schenkte den Schulen einen Papagei. Ein solch bunter und nicht immer ganz ruhiger Vogel war natürlich auch im Büro des bekannten Architekten zu Hause und trieb dort sein Unwesen.

Olympiapark in München entstand unter Behnisch

Als eines der bekanntesten Bauwerke, die Behnisch mit Frei Otto entwarf, gilt der Münchener Olympiapark. Auf den ersten Blick scheint dieser kaum dem üblichen Behnisch-Stil zu entsprechen, dennoch war die Zeltdachkonstruktion genau das, was Behnisch sich damals vorstellte. Die Architektur sollte seiner Meinung nach anpassungsfähig werden und dem Menschen dienen. Nicht zuletzt wird dem in den Jahren 1967 bis 1972 entstandenen Bauwerk nachgesagt, es sei mit verantwortlich gewesen für die gute Stimmung bei den Olympischen Spielen 1972.

Später entwickelte Behnisch auch das Hysolarinstitut auf dem Campus der Uni von Stuttgart. Das Gebäude erscheint mit einem Glasdach und ist völlig unkonventionell gestaltet. Es entstand 1987 unter Behnischs Federführung.

Deutscher Bundestag von Behnisch

Auch den Plenarsaal des Deutschen Bundestags, damals noch in Bonn angesiedelt, plante Behnisch. Von 1989 bis 1992 dauerten die Planungsarbeiten an. In diesem Entwurf kam seine Idee der demokratischen, leichten, offenen und heiteren Architektur erst richtig zum Vorschein und wurde auch von einer breiten Öffentlichkeit anerkannt und diskutiert.

Weitere Werke von Behnisch

Auch in Dresden sorgte Behnisch für reichlich Aufsehen. Hier plante er den Neubau des Benno-Gymnasiums. Entgegen der üblichen sandsteinfarbenen Fassade entschied er sich jedoch für eine bunte, fröhliche und frische Fassade, die Ihresgleichen suchte. Noch heute können viele Dresdner mit dem kräftigen Blau der Fassade kaum etwas anfangen.

Den größten Durchbruch erlebte Behnisch, als er die Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin planen durfte. Die gläserne Architektur konnte inmitten des steinernen Berlins umgesetzt werden und es war das erste Projekt, das Behnisch in der Hauptstadt in Angriff nehmen konnte.

In den vergangenen beiden Jahren war Behnisch aufgrund einer schweren Erkrankung ans Bett gefesselt. Dies passte ihm gar nicht, so dass er nur noch unzufrieden war. Im Alter von nun 88 Jahren ist er am vergangenen Montag verstorben.

Ausstellung zu den nie verwirklichten Architektur-Entwürfen Berlins

Juli 10th, 2010Posted by Redakteur

Berlin, unsere Hauptstadt, wird oftmals mit anderen Metropolen, wie London, Paris und Co. verglichen. Und dabei schneidet sie fast immer schlecht ab, denn Berlin gilt als hässliche Stadt. Nun mag manch einer sagen, das sei kein Wunder, bedenke man, wie stark die deutsche Hauptstadt im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und dass keine andere Stadt in ihrer Geschichte so geteilt wurde, wie Berlin. Das ist auch durchaus richtig, doch die Stadt könnte deutlich besser aussehen. Denn gerade die ständige Zerrissenheit, das Auf und Ab der Stadt sorgten immer wieder dafür, dass sich namhafte Architekten ans Werk machten und in unzähligen Ausschreibungen ihre Entwürfe für architektonische Höhenflüge einreichten. Die meisten dieser Entwürfe wurden jedoch nie in die Tat umgesetzt.

Ausstellung im Café Moskau

Wie Berlin heute aber aussehen könnte, will  Carsten Krohn, seines Zeichens ebenfalls Architekt, nun mit der Ausstellung „Ungebautes Berlin“ im Café Moskau zeigen. 100 Entwürfe von 100 Architekten werden in der Ausstellung gezeigt. Neben den Zeichnungen werden Erläuterungen in extra Ordnern gegeben und insgesamt 13 Modelle wurden eigens für die Ausstellung gebaut.

Zwei Jahre dauerte es, bis der 44-jährige Krohn alle Entwürfe zusammengetragen und zu einer Ausstellung gemacht hatte. Projekte, die im 20. Jahrhundert, genauer in der Zeit von 1907 bis 1997 entstanden, sind in der Ausstellung zu sehen und zeigen, wie die Hauptstadt hätte aussehen können. Für die Ausstellung erhielt Krohn 40.000 Euro vom Hauptstadtkulturfonds. Neben der Ausstellung, die er damit realisieren konnte, war es ihm auch möglich, einen Katalog herauszugeben, in dem die Projekte chronologisch geordnet und mit entsprechenden Erläuterungen versehen sind.

Filme in der Ausstellung

Neben den reinen Modellen und Entwürfen zeigt Krohn auch Videos und kurze Filme, die Interviews mit bekannten Architekten zeigen. Darunter sind namhafte Größen wie Daniel Libeskind, Rem Koohlhaas oder Ludwig Leo. Rem Kohlhaas war übrigens bis 1991 in der Potsdamer-Platz-Jury gewesen, verließ diese aber wegen der schwierigen Vorgaben durch den Berliner Bausenat. Auch Ludwig Leo, der der Architektur abschwor, obwohl er einige sehr vielversprechende Entwürfe realisieren konnte, ist in den Interviews zu sehen.

Mauerbau und Mauerfall verhinderten viele Projekte

Das Hauptaugenmerk der Ausstellung liegt trotz der auflockernden Filme auf den eigentlichen Entwürfen. Von ihnen sind einige auch noch heute Up-to-Date. Darunter etwas das Hochhaus Friedrichstraße, das 1921 von Mies van der Rohe entworfen wurde. Aber auch das gigantomanische Germania, das unter Hitlers Baumeister Albert Speer entstand, ist eines der Highlights der Ausstellung.

Le Corbusier entwickelte den Wettbewerbsentwurf „Hauptstadt Berlin“. Schon 1958 war die Regierung von Westdeutschland davon begeistert, allerdings verschwand der Entwurf mit dem Mauerbau, da er die größten Teile der Bebauung im Ostteil der Stadt vorsah. Ebenfalls hatte Aldo Rossi den Wettbewerb für das Deutsche Historische Museum für den Reichstag gewonnen. Sein Entwurf konnte aufgrund des Mauerfalls nicht mehr realisiert werden.

Die Besucher werden staunen, dass viele der vorgestellten Entwürfe für Regionen Berlins entwickelt wurden, die noch heute unbebaut oder in Planung sind bzw. gerade erst bebaut wurden.

Entwürfe noch heute modern

Noch heute ließen sich einige der Entwürfe sofort und problemlos umsetzen, da sie dem modernen Stadtbild voll und ganz gerecht würden. Hier ist zum Beispiel der Entwurf für den Platz Unter den Linden zu nennen, der 1925 von Cornelis van Eesteren entwickelt wurde. Er sieht im östlichen Teil des Platzes die bekannten Altbauten vor, im westlichen dagegen Geschäftsbauten mit vier Geschossen. Außerdem würden diese von bis zu 45 Meter hohen Türmen gesäumt. Zwischen beides würde nach dem Entwurf ein Hochhaus mit 170 Meter Höhe stehen. Am Gendarmenmarkt sind die Entwürfe der Hochhausstadt, die 1928 von Hugo Häring entwickelt wurden oder die Geschäftsstadt, die unter Ludwig Hilbersheimers Hand entstand, zu sehen.

Werner Kallmorgen entwarf eine Architektur für den Tiergartenring im Jahr 1928. Damals war der Architekt gerade 26 Jahre jung. Er sah eine Bandbebauung mit vier Geschossen vor, die sich über 14 Kilometer Länge erstreckte. In ihrer Mitte sollte sich der Tiergarten finden und sich zum Erholungsgebiet entwickeln. Auch der Entwurf „Bandstadt Grunewald“ ist schon recht alt, aber immer noch modern. Er entstand unter der Federführung von Ursulina Schüler-Witte und Ralf Schüler. Dabei sollte die Avus, die von zahllosen Autos befahren wird, auf 9,5 Kilometern Länge von Terrassenhäusern überspannt werden.

Weniger gelungene Entwürfe

Weniger gelungen erscheinen Entwürfe wie der der Hochschulstadt von Emil Fahrenkamp. Er entwarf übrigens auch das Shell-Haus. 1937 entwarf er den Hochschulstadt-Entwurf für Berlin, der noch heute die Geister scheidet. Lebheus Woods entwickelte 1988 das Modell „Berlin Underground“, bei dem eine Untergrundregierung im Zentrum des Entwurfs stand.

Noch heute sind viele Stellen in Berlin nicht bebaut und könnten von zahlreichen Architekten perfekt gestaltet werden. Dennoch scheitert es oft an den Stadtentwicklern selbst, die sich aus dieser Ausstellung so manche Idee herausholen könnten, genauso wie die Architekten selbst.

Architekturwettbewerb: Entscheidung ist gefallen

Juli 2nd, 2010Posted by Redakteur

Zu den größten Architekturwettbewerben gehört der Wettbewerb der gemeinnützigen Wüstenrot Stiftung. Dabei war in diesem Jahr das Thema Wohnen in der Stadt. Um in der Stadt zu wohnen, bedarf es neuer Ideen, so ist sich die Stiftung sicher gewesen, als man den Wettbewerb ausrief. Dabei sollte ein großes Augenmerk auf das nachhaltige Bauen, die kurzen Wege zwischen Wohnung, Arbeit und Freizeitmöglichkeiten, aber auch die gemeinschaftliche Orientierung der Bauten gelegt werden.

Unter dem Titel „Neues Wohnen in der Stadt“ wurde der Wettbewerb bundesweit ausgeschrieben. Insgesamt 438 Einsendungen kamen dabei zustande. Die Jury, die zu entscheiden hatte, welche architektonischen Glanzleistungen mit den ersten Plätzen versehen werden sollten, bestand aus international anerkannten Experten. Den Vorsitz hatte Andreas Hild inne. Die gesamte Jury betrachtete sich die Gebäude, die in Frage für einen Preis kamen, direkt vor Ort. Dabei wurden Preisgelder in Höhe von insgesamt 50.000 Euro vergeben.

Hauptpreis ging an das Stadtregal

Der Hauptpreis, der als Gestaltungspreis bezeichnet wurde, war mit 15.000 Euro dotiert. Er ging an die Planungsgemeinschaft Braunger Wörtz Architekten und Rapp Architekten. Sie hatten den Umbau und die neue Nutzung des „Stadtregals“ in Ulm bewerkstelligt.

Dabei wurde die bereits vorhandene Substanz der Gebäude besonders überzeugend umgestaltet, wie die Jury befand. Durch die effektvolle Gestaltung, sowie die Abstimmung der Architektur auf die Bedürfnisse der Bewohner gelang es, der Stadt Ulm ein wahres Highlight zu bescheren, und das in einem eigentlich brachliegenden Industriegebiet.

Drei zweite Plätze

Ebenfalls wurden drei weitere Ideen mit einem Preis ausgezeichnet. Die Preise waren je mit 7.500 Euro dotiert. Sie gingen an Augustin und Frank Architekten in Berlin, die das Atelier Katharina Grosse umgebaut hatten. Die Verbindung von Arbeiten und Wohnen stand bei diesem Projekt im Vordergrund.

Steidle Architekten aus München erhielten ebenfalls einen zweiten Preis. Sie hatten das Loft Wohnen in den Münchener Lenbach Gärten entwickelt. Obwohl die Gebäude hier typisch München sind, können sie es durchaus mit einem Vergleich mit Metropolen wie London, Paris oder New York aufnehmen.

Den dritten Preis erhielten zanderroth architekten aus Berlin. Sie hatten ein neues Bauwerk, ein Ensemble in Berlin geschaffen, das nicht nur äußerst flexible Grundrisse aufweist, sondern genauso einen enorm hohen Energiestandard erfüllt.

Weitere fünf Preise mit einer Dotierung von je 2.500 Euro wurden im Rahmen des Architekturwettbewerbs ebenfalls vergeben. Sie gingen an mehrere Architekten aus Berlin und München.