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In Memory of Günter Behnisch
Günter Behnisch ist einer der erfolgreichsten Architekten unserer Zeit gewesen. Am vergangenen Montag allerdings verstarb der 88-Jährige in Stuttgart. Er war nie unbedingt auf Harmonie im Umgang mit anderen Menschen bedacht, doch er baute Gebäude für Menschen. Er setzte stets auf sein Improvisationstalent, ließ Licht und Natur in die moderne Architektur mit einfließen und war strikt gegen alle Normen und Zwänge, gegen das Herrische und das Militär.
1922 wurde Günter Behnisch in Lockwitz bei Dresden geboren. Sein Studium in Architektur absolvierte er an der TH Stuttgart. Im Alter von gerade einmal 30 Jahren gründete er gemeinsam mit Bruno Lambart sein eigenes Büro. Nur vier Jahre später führte er es alleine weiter. 1966 dann wandelte er das bisherige Büro in die Bürogemeinschaft Behnisch & Partner um. Dabei waren auch Größen wie Fritz Auer, Winfried Büxel, Erhard Tränkner, Manfred Sabatke und Carlo Weber mit von der Partie. 1989 dann löste man die Bürogemeinschaft auf, obwohl sie zu einer der gefragtesten in ganz Deutschland zählte. Allerdings währte die Auflösung nicht lange, denn Günter Behnisch gründete mit seinem Sohn Stefan und Günther Schaller erneut ein Architekturbüro unter dem Namen Behnisch, Behnisch und Partner. Mittlerweile firmiert das Architekturbüro unter dem Namen Behnisch Architekten.
Die Schulen von BehnischBehnisch baute zunächst Schulen in Baden-Württemberg. Dabei galt er als einer der Pioniere für die vorgefertigten, genormten Teile. Schon 1967 wurde er deshalb an die TH Darmstadt berufen, wo er als Nachfolger des legendären Ernst Neufert anfangen sollte. Neufert schrieb die bis heute bekannte Bauentwurfslehre. Behnischs Aufgabe sollte es künftig werden, den Studenten industrialisiertes Bauen beizubringen. Doch lange fand er keine Freude an den Normen, wie sich auch an seinen Entwürfen immer wieder zeigte. Noch 1969 wurde die Schule Oppelsbohm sehr streng kreiert, schon vier Jahre später entstand die Schule in Lorch, die viel freizügiger und offener gestaltet war. Bei fast allen Schulen brachte Behnisch auch ein tropisches Gewächshaus ein und schenkte den Schulen einen Papagei. Ein solch bunter und nicht immer ganz ruhiger Vogel war natürlich auch im Büro des bekannten Architekten zu Hause und trieb dort sein Unwesen.
Olympiapark in München entstand unter BehnischAls eines der bekanntesten Bauwerke, die Behnisch mit Frei Otto entwarf, gilt der Münchener Olympiapark. Auf den ersten Blick scheint dieser kaum dem üblichen Behnisch-Stil zu entsprechen, dennoch war die Zeltdachkonstruktion genau das, was Behnisch sich damals vorstellte. Die Architektur sollte seiner Meinung nach anpassungsfähig werden und dem Menschen dienen. Nicht zuletzt wird dem in den Jahren 1967 bis 1972 entstandenen Bauwerk nachgesagt, es sei mit verantwortlich gewesen für die gute Stimmung bei den Olympischen Spielen 1972.
Später entwickelte Behnisch auch das Hysolarinstitut auf dem Campus der Uni von Stuttgart. Das Gebäude erscheint mit einem Glasdach und ist völlig unkonventionell gestaltet. Es entstand 1987 unter Behnischs Federführung.
Deutscher Bundestag von BehnischAuch den Plenarsaal des Deutschen Bundestags, damals noch in Bonn angesiedelt, plante Behnisch. Von 1989 bis 1992 dauerten die Planungsarbeiten an. In diesem Entwurf kam seine Idee der demokratischen, leichten, offenen und heiteren Architektur erst richtig zum Vorschein und wurde auch von einer breiten Öffentlichkeit anerkannt und diskutiert.
Weitere Werke von BehnischAuch in Dresden sorgte Behnisch für reichlich Aufsehen. Hier plante er den Neubau des Benno-Gymnasiums. Entgegen der üblichen sandsteinfarbenen Fassade entschied er sich jedoch für eine bunte, fröhliche und frische Fassade, die Ihresgleichen suchte. Noch heute können viele Dresdner mit dem kräftigen Blau der Fassade kaum etwas anfangen.
Den größten Durchbruch erlebte Behnisch, als er die Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin planen durfte. Die gläserne Architektur konnte inmitten des steinernen Berlins umgesetzt werden und es war das erste Projekt, das Behnisch in der Hauptstadt in Angriff nehmen konnte.
In den vergangenen beiden Jahren war Behnisch aufgrund einer schweren Erkrankung ans Bett gefesselt. Dies passte ihm gar nicht, so dass er nur noch unzufrieden war. Im Alter von nun 88 Jahren ist er am vergangenen Montag verstorben.
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