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Neue Möbel braucht das Land?
Zugegeben, ohne Möbel wäre keine Wohnung ein wirklicher Rückzugsort. Doch die aktuellen Entwürfe von mehr als 150 Jungdesignern aus über 24 Nationen zeigen, dass man sich in diesen Tagen auf schlichte Eleganz und die Wiederentdeckung althergebrachter Designs besinnt. Einen Tag lang konnten sich Designer auf der Website des Red Dot Design Awards um einen der begehrten 50 Plätze bewerben. Besonders häufig waren hierbei sehr nüchterne und sachliche Entwürfe zu sehen, die irgendwie auch schon bekannt vorkommen.
Der i-Sit von Lone StorgaardDer i-Sit beispielsweise ist so ein Kandidat. Hierbei hat die junge dänische Designerin Lone Storgaard ihre Phantasie spielen lassen. Allerdings erinnert der Sessel an den Lounge Chair, der einst von Charles und Ray Eames entworfen wurde, zumindest was die Formgebung angeht. Farblich dagegen erinnert die Musterung an Arne Jacobsen.
Auch finden sich die markanten Sesselohren beim i-Sit wieder, die nur dahingehend unterschiedlich vom Entwurf von Arne Jacobsen sind, dass sie nach innen genickt und kantiger ausgeführt sind. Gefertigt wird der i-Sit übrigens von Magnus Olesen, einer traditionellen Firma für den Möbelbau. Ergonomisch ist der Sessel sehr ausgefeilt und hat gute Chancen auf den Sieg. Denn das Design Zentrum Nordrhein-Westfalen hat auffallend viele sachliche Entwürfe mit dem Red Dot Design Award bereits im vergangenen Jahr gekürt.
Zu diesen gekürten Entwürfen zählt etwa der Beistelltisch Joco, der unter EOOS entstand. Er besteht aus einer schwarzen Platte, die auf schmalen Streben befestigt ist. Die filigrane Struktur, die dadurch entsteht, zeichnet den Beistelltisch aus, ebenso wie das Spiel von Licht und Schatten. Auch der Stuhl Orizuro von Ken Okuyama gewann schon einen solchen Preis. Er ist aus einem einzigen Stück Sperrholz angefertigt, das durch Reispapier verstärkt wird. Außerdem erinnert er sehr stark an die Kunst des Origami. Gefertigt wird der Stuhl von Tendo Mokko, die diese Technik bereits seit 60 Jahren umsetzt. So entstand auch der Klassiker von Sori Yanagi, der Butterfly-Hocker.
Kritik am DesignExperten der Branche sind sich allerdings darüber einig, dass es den aktuellen Entwürfen an Experimentierfreudigkeit fehlt. Zu oft besinnen sich die Designer auf Trends aus längst vergangenen Tagen. Die 1950er und 1960er Jahre mit den dünnen Stuhl- und Tischbeinen, den Kugelkörpern und fließenden Formen prägen die aktuellen Designs. Experimentelle Ansätze sind dagegen selten zu sehen, ebenso wie wirkliche Innovationen im Möbel-Design.
Obwohl viele Designs an die Trends der 1950er bis 1980er Jahre erinnern, sind doch auch zukunftsweisende Technologien bei der Fertigung mit eingeflossen. Und die Kunden selbst wünschen sich eben diese Designs, was wiederum zeigt, warum es doch wichtig ist, sich auf Altbewährtes zu verlassen und es neu aufleben zu lassen.
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